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„Was spaltet unsere Gesellschaft und wie können wir Brücken bauen?“

28.8.2025

Hartmut Steeb hielt zum Thema „Was spaltet unsere Gesellschaft – wie können wir Brücken bauen?“ einen Vortrag im Kulturhaus in Lüdenscheid. Irmtraut Huneke, 1. Vorsitzende der Evangelischen Allianz Lüdenscheid, eröffnete den Abend und gab persönliche Einblicke in die lange Freundschaft mit dem Referenten (Foto: Privat)

Von Iris Kannenberg

 

LÜDENSCHEID + Im Kulturhaus Lüdenscheid fand ein bemerkenswerter Vortrag mit dem Titel „Was spaltet unsere Gesellschaft – wie können wir Brücken bauen?“ statt. Mit rund 160 Teilnehmenden war die Veranstaltung sehr gut besucht, was das große Interesse an der Thematik unterstreicht. Eingeladen hatten das „Gesprächsforum Leben und Glauben“ sowie „Faktor C – Christen in der Wirtschaft e.V.“.

 

Hartmut Steeb, geboren am 29. Oktober 1953 in Stuttgart, war ab 1988 Geschäftsführer der damaligen Westdeutschen Evangelischen Allianz (DEA). Nach der Wiedervereinigung wirkte er von 1991 bis zu seinem Ruhestand 2019 als Generalsekretär der „Deutschen Evangelischen Allianz“ mit Hauptsitz in Bad Blankenburg. Steeb war maßgeblich an der Gründung des Evangelisationswerks „ProChrist“ sowie von „Willow Creek Deutschland“ beteiligt. Er ist zudem ein gefragter Redner und Prediger im In- und Ausland.

 

Die 1. Vorsitzende der Evangelischen Allianz Lüdenscheid, Irmtraut Huneke, eröffnete den Abend und gab persönliche Einblicke in die lange Freundschaft mit Hartmut Steeb und wie es zur Einladung kam. Sie sparte dabei nicht mit der einen oder anderen Anekdote, die das Publikum zum Lachen brachte. Dies entspannte ob des ernsten Themas erst einmal die Anwesenden und verlieh der Veranstaltung eine angenehme persönliche Note.

 

Die Kernaussagen des Vortrages von Hartmut Steeb lassen sich wie folgt zusammenfassen:

 

Gesellschaftliche Spaltung durch Gottesferne

Steeb sieht eine zunehmende Spaltung in der Gesellschaft, die er auf die fortschreitende Säkularisierung zurückführt. In früheren Zeiten, geprägt von den meist gläubigen Gründervätern des Grundgesetzes, bildeten die Zehn Gebote und die Anerkennung Gottes als höchste Instanz noch eine klare Wertebasis. Heute hingegen habe die Rolle Gottes stark abgenommen, es fehle an Grundwerten, und der Mensch gerate in Versuchung, sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen. Ohne Rechenschaftspflicht drohe Orientierungslosigkeit.

 

Kluft zwischen Politik und Bürgern

Ein weiterer wesentlicher Punkt sei die wachsende Distanz zwischen politischen Entscheidungsträgern und der Bevölkerung. Politiker bewegten sich laut Steeb in einer eigenen Sphäre und verlören zunehmend den Bezug zu den Menschen und deren Willen – eine Entwicklung, die er als bedrohlich für die Demokratie ansieht, weil so leicht Egoismus und Unwahrheiten zum übergeordneten Maßstab werden.

 

Spaltung auch innerhalb der Kirchen

Auch in den Kirchen sieht Steeb, vor allem seit der Corona-Pandemie, tiefe Risse. Gegenseitige Verletzungen und Ausgrenzung – insbesondere gegenüber sogenannten „Ungeimpften“ – hätten zu einer Entfremdung geführt. Besonders Kinder, Jugendliche und ältere Menschen hätten unter Vereinsamung und Isolation gelitten mit Auswirkungen bis zum heutigen Tag. Steeb betonte, die Kirchen hätten sich nicht verschließen, sondern gerade in der Krise offen und einladend zeigen müssen – nach dem Vorbild Jesu, der besonders für die Verzweifelten und Einsamen da war und ist.

Der Redner kritisierte insbesondere, dass nach dem Ende der Pandemie keine echte Aufarbeitung stattfand. Damit blieben viele Wunden innerhalb der Gemeinden unbearbeitet, was sich u. a. in vermehrten Kirchenaustritten äußere. Für viele Gemeindemitglieder sei der damals entstandene Riss weiterhin spürbar.

 

 

Wie können nun die Wege zu Heilung und Brückenbau aussehen? Sowohl für Deutschland an sich als auch innerhalb der Gemeinden?

 

Hartmut Steeb hat dafür eine sehr biblische Antwort: Umkehr zu Gott, Vergebung und Aufarbeitung. Für ihn besteht der Weg zur Überwindung der Spaltung in einer umfassenden Rückbesinnung auf Jesus und in echter Buße. Gemeinden sollten den Mut aufbringen, die Verletzungen der Corona-Zeit anzuerkennen, offen darüber zu sprechen und gemeinsam Wege zur Versöhnung suchen. Lernen aus Fehlern, gegenseitiges Vergeben und die Bereitschaft, sich auch unbequemen Wahrheiten zu stellen, seien notwendig, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Wichtig zudem: Im Gebet und in der Fürbitte einzutreten für Deutschland und die Bevölkerung ebenso wie für Frieden innerhalb der Kirchengemeinschaften. Gebet als wirksamste „Waffe“ eines jeden Christenmenschen bewege unverändert Gottes Arm und lasse seine Gnade fließen. Direkt von seinem Thron hinein in sein Volk. Er kann alles ändern und Herzen lenken wie Wasserbäche. Auch heute noch ist er ein Gott, der gerne Wunder tut.

Nach dem Vortrag gab es Raum für zahlreiche Fragen und rege Diskussionen – viele hätten noch lange weiterreden wollen, doch die Zeit war begrenzt. Man trennte sich daher viel zu früh unter großem Bedauern. Dass das Thema gerade Christen besonders bewegt, wurde im Verlauf des Abends mehr als deutlich. Viele offene Wunden sind noch zu heilen und Spannungen zu überwinden. Es braucht definitiv einen neuen Anfang und die Bereitschaft, Brücken zu bauen.

 

Hartmut Steebs Vortrag war herausfordernd und inspirierend zugleich. Er sprach auch Unbequemes offen an und regte zum Nachdenken an. Die zentrale Botschaft: Ein Land ohne Gott verliert seine Integrität und Würde, oft unmerklich. Es liegt an den Glaubensgemeinschaften, aufzustehen, Vergebung zu praktizieren und mutig einen gemeinsamen Neuanfang zu wagen, da sie nach wie vor Vorbildfunktion innerhalb der Gesellschaft haben. Die Menschen und gerade diejenigen, die nicht gläubig sind, schauen oft besonders aufmerksam auf die Kirchen. Wie verhalten sie sich in Zeiten der Not, sind sie glaubwürdig, findet man bei ihnen Hilfe und Geborgenheit? Wichtige Grundpfeiler, die zu bauen wir alle als Christen jeden Tag wieder aufs Neue herausgefordert sind. An uns als seinen Kindern soll man den Herrn der Kirche erkennen.  Authentisch sollen wir sein und ein sichtbares Zeugnis für den Namen Jesu, der selbst der größte Brückenbauer war und ist…

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