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Turm der Nicolai-Kirche wird 250 Jahre alt
12.2.2026

Von Monika Salzmann
HALVER + Die Jahreszahl 1774 – weithin sichtbar an der Außenwand des Turms angebracht - markiert die Grundsteinlegung des Kirchturms in seiner heutigen Form. Fertiggestellt wurde der Turm der Nicolai-Kirche, der insgesamt sechs Glocken beherbergt, zwei Jahre später, anno 1776. Ein Datum, das die evangelische Kirchengemeinde Halver zum Anlass nimmt, 2026 den 250. Geburtstag ihres 41 Meter hohen Kirchturms mit dem Wetterhahn aus dem Jahr 1982 (der Vorgänger befindet sich im Kirchenarchiv) zu feiern. Am Sonntag, 12. Juli, soll gefeiert werden.
Noch steckt die Gemeinde mitten in den Planungen für die Jubiläumsfeierlichkeiten. Fest steht bislang nur, dass das Heimatmuseum in irgendeiner Form in die Festivitäten eingebunden werden soll, wie Gemeindemitglied Jörg Grigull, der nach Absprache Führungen in dem denkmalgeschützten Gotteshaus durchführt und sich wie kein Zweiter mit der Geschichte der Kirche auskennt, erzählt.
Bis die Gemeinde die Mittel aufbrachte, nach dem Turm auch ihr dreischiffiges Kirchengebäude mit Emporen zu bauen, vergingen damals noch Jahre. Das erklärt, warum an der Außenwand des Kirchenschiffs ein anderes Erbauungsdatum – 1783 - als das des Kirchturms zu lesen ist. Bei den auffälligen Halbschalen, die auf der Eingangsseite des Turms rechts und links neben der Uhr aus dem Putz ragen, soll es sich um Kanonenkugeln aus dem Dreißigjährigen Krieg handeln, „die aus Richtung Hürxtal auf Halver geschossen wurden“, wie Jörg Grigull anmerkt.
In ihrer heutigen Form ist die Nicolai-Kirche mit ihrem markanten Turm, deren bauliches und stilistisches Vorbild in der kleineren und niedrigeren Remlingrader Kirche zu finden ist, nicht die erste Kirche, die auf dem Sternplatz im Zentrum von Halver stand. Bis ins Frühmittelalter lässt sich die Geschichte der Kirche zurückverfolgen. Vermutlich gab es an der Stelle, wo heute die Nicolai-Kirche steht, in früher Vorzeit bereits mehrere kleine Holzkirchen. Damals war Halver noch ähnlich wie Hülscheid Tochterpfarrei von Lüdenscheid. „1127 wurde Halver eine eigenständige Gemeinde“, erzählt Jörg Grigull. Für etwa 250 Jahre ersetzte eine romanische Pfeilerbasilika die frühen Holzkirchen. An ihre Stelle rückte anschließend eine neugotische Hallenkirche, die ab 1722 immer baufälliger wurde.
Erste Pläne zum Neubau stellte der damalige Pfarrer der Gemeinde schon zu diesem Zeitpunkt vor. Es dauerte bis 1774, bis der Neubau des Turms in Angriff genommen werden konnte. Verbaut wurden die Steine der baufälligen, zu diesem Zeitpunkt bereits abgerissenen Vorgängerkirche. Danach ging der Gemeinde das Geld aus. Da Not bekanntlich erfinderisch macht, zapften die Verantwortlichen mehrere Geldhähne an. Zum frühen „Fundraising“ gehörten etwa Gastpredigten, die die Pfarrer der Nicolai-Kirche anderswo hielten und dabei Geld für Halver sammelten. Ebenso wurden die Sitzplätze in der Kirche versteigert. Am meisten zahlte, wer den Pfarrer bei Gottesdiensten gut sehen und hören wollte. Gestaffelt nach drei Kategorien versteigerte die Gemeinde die Plätze. Kategorie 3 bedeutete, dass der Pfarrer beim damaligen Kerzenlicht schlecht zu sehen und zu hören war. Auch ein freiwilliges Kirchgeld wurde eingeführt. 52 Gläubige beteiligten sich daran.
Beim Bau der Kirche setzte die Gemeinde auf heimische Materialien. Allerdings regnete es nach der Weihung der Kirche 1784 schon bald in den Neubau hinein, so dass sowohl das Turmdach als auch das Dach des Kirchenschiffs erneuert werden mussten. Verputzt wurde die aus Bruchsteinen erbaute Kirche 1807. Heutzutage beherbergt der Turm, in dessen Innerem eine Holztafel mit den Namen aller Pfarrer in chronologischer Reihenfolge zu finden ist, nur noch sechs Glocken. Eine siebte aus dem Jahr 1520, die zur Aufbewahrung im Turm untergebracht war, wurde 2012 bei Renovierungsarbeiten gestohlen und tauchte nie mehr auf. Sie war 36 kg schwer. Von den sechs Glocken sind fünf in Betrieb. Die größte, 1950 kg schwer, ist eine Spende des Märkischen Werks und wurde 1960 gegossen. Sie dient als Sterbe- und Stundenschlag-Glocke. Wie viele andere Glocken wurde die zweite Glocke (Erstguss 1420), als Vaterunser- und Vorläutglocke genutzt, in Kriegszeiten eingeschmolzen und 1960 neu gegossen. Nie eingeschmolzen wurde hingegen die Viertelstundenschlagglocke aus dem Jahr 1334. Auf den Namen Anna „hört“ die vierte Glocke, die als Bet- und Taufglocke dient. Die Mittagsglocke trägt den Namen St. Nikolaus. Alle fünf – durch Elektromotoren in Schwung versetzt - läuten zu den Gottesdiensten. Von früheren Seilen künden nur noch Löcher im Boden. Die sechste Glocke stammt von der ehemaligen Kapelle Edelkirchen und wird vor Ort aufbewahrt. Nicht mehr vorhanden ist die ursprüngliche Turmuhr, die regelmäßig aufgezogen werden musste. Heutzutage übernimmt eine elektrische Uhr ihre Aufgabe.
Informationen zu Kirchenführungen
Kirchenführungen in der Nicolai-Kirche – erstmals von Erzbischof Friedrich I. von Köln (1100 bis 1131) als Nicolaikirche zu Halvara erwähnt - sind nach Absprache mit Jörg Grigull möglich. Allerdings ist Schwindelfreiheit für die Turm- und Kirchdachbesichtigung notwendig. Die Gruppengröße ist auf maximal fünf bis sechs Erwachsene beziehungsweise maximal vier Erwachsene plus sechs Kinder – je nach Alter – beschränkt. Die Begehung findet auf eigenes Risiko statt. Die Gemeinde haftet nicht für Schäden oder Unfallkosten. Ihren ursprünglichen Namen behielt die Nicolai-Kirche übrigens bis Mitte des 17. Jahrhunderts bei. Danach verschwand der Name aus unergründlichen Gründen und wurde 2002 neu eingeführt.



