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Wer bin ich?

13.10.2019

Das Wort zum Sonntag: Diesmal mit Gedanken von Ramona Winkler-Rudzio, Pfarrerin in der Johanneskirche, Lüdenscheid (Grafik: EKKLP)

Religionsunterricht in der 7. Klasse. Die Schülerinnen und Schüler sollen Umrissfiguren zeichnen und auf die Vorderseite ihre positiven Eigenschaften schreiben. Auf die Rückseite sollen sie dann ihre negativen Eigenschaften aufschreiben, die sie allerdings nur für sich aufschreiben, da wir diese Seite später aufkleben.

 

Ratlose Gesichter. Es ist gar nicht so einfach, sich selbst zu beschreiben.

Interessanterweise fallen den meisten dann mehr Dinge ein, die sie nicht so gut an sich finden, als Dinge, die echt gut sind.

Woran liegt das? Ich glaube, dass wir uns nicht so oft Gedanken über uns machen, wie wir sind, was uns ausmacht.

 

Dafür nehmen uns andere wahr. Ihnen würde es wahrscheinlich viel leichter fallen, etwas über uns zu sagen und zu schreiben als uns selbst.

Wenn wir andere fragen würden, wie bin ich? Wer bin ich? Würden uns verschiedene Menschen wahrscheinlich unterschiedlich beschreiben, weil wir uns im Umgang mit unterschiedlichen Menschen auch oft anders geben.

Letztlich suchen wir oft nach Bestätigung, wollen von anderen für das, wie wir sind und was wir machen, gelobt werden.

 

Aber sind wir das dann wirklich? Bin ich, so wie andere mich sehen? Oder habe ich mich nur verbogen, um zu gefallen und anerkannt zu werden?

Von Gott heißt es: Gott kennt mich, Gott weiß, wie ich bin, Gott sieht selbst in mein Innerstes hinein. Das klingt für den Einen oder die andere vielleicht völlig bedrohlich, aber ich finde das entlastend: Vor Gott kann ich Ich sein, selbst mit meinen Macken und Fehlern, vor Gott muss ich mich nicht verstellen, denn Gott weiß eh, wie ich bin. Das tut gut und lässt mich befreit handeln.

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein schönes Wochenende!

 

Ihre Ramona Winkler-Rudzio,

Pfarrerin in der Johanneskirche / Lüdenscheid

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